Silhouette einer Frau an der Wand im orangenen Morgenlicht

Ayurvedische Morgenroutine: Balanciert in den Tag starten

Eine Morgenroutine ist fester Bestandteil im ayurvedischen Tagesverlauf und ein guter Weg, den Tag bewusst zu beginnen. Erfahre, was den Morgen aus Sicht des Ayurveda prägt und wie du eine zu dir passende Morgenroutine entwickeln kannst.

Am Morgen legst du den Grundstein für den weiteren Verlauf deines Tages. Lass dich dabei nicht von der Empfehlung zum frühen Aufstehen oder fremdartigen Reinigungsritualen abschrecken – der Ayurveda muss nicht so strenggenommen werden, wie es manchmal den Eindruck erwecken kann. Deine Morgenroutine sollte stets zu dir und deinem Alltag passen.

Wenn du grundlegende Prinzipien und Zusammenhänge verstehst, kannst du diese für dich nutzen und die Zeit nach dem Aufstehen so gestalten, dass du anschließend ausgeglichen und voller Energie in den Tag startest.

Die ayurvedischen Grundprinzipien

Beim Ayurveda, was übersetzt „das Wissen vom Leben“ bedeutet, werden Heilkunst und Lebensphilosophie miteinander vereint. Dein Körper ebenso wie die gesamte Welt bestehen dieser Lehre zufolge aus den fünf Elementen Feuer, Wasser, Erde, Luft und Äther (Raum).

Diese treten in drei verschiedenen Konstitutionen bzw. Zusammensetzungen auf, den sogenannten Doshas. Dabei handelt es sich um die grundlegenden Lebensenergien, die in dir und um dich herum herrschen:

  • Vata: Das VataDosha besteht aus den Elementen Luft und Äther und beschreibt das Prinzip der Bewegung.
  • Kapha: Dem Kapha-Dosha liegen die Elemente Wasser und Erde zugrunde. Dieses bezeichnet das Strukturprinzip.
  • Pitta: Das Pitta-Dosha wird aus Feuer und Wasser gebildet und stellt das Prinzip der Umwandlung dar.


Du bist laut dem Ayurveda dann gesund, wenn sich die Doshas in dir im Gleichgewicht befinden. Jedes Dosha bringt gewisse Qualitäten mit sich, die du benötigst, um ein erfülltes, ausbalanciertes Leben zu führen. Die Leichtigkeit von Vata bringt dir Kreativität und Spontaneität, Kapha hilft dir, zu entspannen und zur Ruhe zu kommen und das feurige Pitta lässt dich Dinge anpacken und zu Ende führen.

In der Regel ist es allerdings so, dass ein oder zwei Doshas stärker ausgeprägt sind. Daraus ergibt sich deine persönliche Grundkonstitution. Diese solltest du bei deiner Lebensführung berücksichtigen, um in kein Ungleichgewicht zu fallen oder um wieder in Balance zu kommen.

Dinacharya: Der Tagesrhythmus nach der Ayurveda-Lehre

Du hast sicherlich schon häufig die Erfahrung gemacht, dass dir bestimmte Dinge zu bestimmten Tageszeiten besonders schwer- und zu anderen Zeiten besonders leichtfallen. Dafür liefert der Ayurveda eine simple Antwort: Zu unterschiedlichen Tagesabschnitten dominiert ein unterschiedliches Dosha.

Nicht nur dein Körper unterliegt also den Prinzipien der Doshas, sondern diese Grundenergien wirken auch innerhalb eines Tages zu bestimmten Zeiten verstärkt (weiterführend ebenso zu verschiedenen Jahreszeiten). Die Einteilung des Tagesverlaufs in die Doshas wird im Ayurveda Dinacharya genannt und sieht folgendermaßen aus:

  • verstärkte Vata-Energie: von 2 – 6 sowie von 14 – 18 Uhr
  • verstärkte Kapha-Energie: von 6 – 10 sowie von 18 – 22 Uhr
  • verstärkte Pitta-Energie: von 10 – 14 sowie von 22 – 2 Uhr


Die jeweiligen Energien wirken von außen auf dich ein und beeinflussen deinen gesamten Organismus. Daraus werden Empfehlungen abgeleitet, die du bei deiner Tagesplanung berücksichtigen solltest, um nicht gegen, sondern mit den Lebensenergien um dich herum zu arbeiten.

Während der Vata-Zeit ist dein Geist besonders wach und klar, so dass sich diese Zeit am Nachmittag gut für Ideenfindung und kreatives Arbeiten eignet. Während der Kapha-Zeit fühlst du dich hingegen eher träge und müde – das hilft dir am Abend beim Einschlafen, vorausgesetzt, du gehst nicht zu spät zu Bett. Ein hohes Pitta macht dich energiegeladen und regt deine Verdauung an. Deswegen besagt eine goldene Regel im Ayurveda, mittags die Hauptmahlzeit des Tages zu sich zu nehmen.

Die Morgenroutine im Sinne des Ayurvedas gestalten

Wenn du dir bewusst machst, welche Doshas die Morgenstunden beeinflussen, kannst du mit diesen Erkenntnissen nicht nur Morgenmuffeligkeit erklären, sondern sie vielmehr bei der Gestaltung deiner eigenen Morgenroutine berücksichtigen.

Vata und Kapha im Fokus

Bis 6 Uhr herrscht eine hohe Vata-Energie, anschließend eine erhöhte Kapha-Energie. Daher wird im Ayurveda empfohlen, die geistige Frische und Leichtigkeit des Vatas zu nutzen, um einfacher aus dem Bett zu kommen – optimalerweise vor dem Sonnenaufgang. Vielleicht hast du schon einmal verwundert festgestellt, dass Aufstehen um 5:30 Uhr lange nicht so schlimm ist, wie du es dir am Vorabend vorgestellt hast? Dies wird im Ayurveda dadurch erklärt, dass erst ab etwa 6 Uhr die Schwere des Kaphas deinen Körper und Geist träge macht und du dich oft lieber nochmal herumdrehst, anstatt aufzustehen.

Zudem fällt dir durch die Qualitäten des Vata-Doshas das Meditieren vor dem Sonnenaufgang erheblich leichter als im späteren Verlauf des Vormittags, denn der frische Vata-Geist lässt dich besser in höhere Bewusstseinszustände finden. Neben Meditation umfassen ayurvedische Morgenroutinen üblicherweise verschiedene Reinigungsmethoden für den Körper, Atemübungen, sanfte Yogapraktiken und ein warmes und leichtes, dem dominierenden Kapha angepasstes Frühstück. So findest du in einen wachen, klaren Zustand und kannst mit ausreichend Energie den vor dir liegenden Tag angehen.

Zwischen 6 und 10 Uhr morgens bieten sich im Anschluss an deine Morgenroutine vor allem Tätigkeiten an, die eine Menge Geduld von dir erfordern – denn dank des erhöhten Kaphas verfügst du zu dieser Zeit über ausreichend Ruhe und Gleichmut.

Mögliche Bestandteile einer ayurvedischen Morgenroutine

Bei der Morgenroutine nach dem Ayurveda geht es vor allem um Reinigung – körperlich und mental. Außerdem soll das Verdauungsfeuer Agni, das über Nacht heruntergefahren ist, sanft geweckt werden.

Das kann dann so aussehen:

  • Früh, wenn möglich vor Sonnenaufgang aufstehen
  • Nach dem Aufstehen 2-3 Gläser warmes Wasser trinken, um Agni anzuregen
  • Körperliche Reinigung (Gesicht waschen, Zähneputzen, Zunge schaben, Stuhlgang)
  • Ölziehen (ca. 10 Minuten)
  • Jala-Neti: Nasenspülung mit lauwarmem Salzwasser
  • Abhyanga: Selbstmassage des ganzen Körpers mit Sesamöl
  • Yoga-Asana, Pranayama, Meditation
  • Duschen


Probiere aus, welche Bestandteile für dich Sinn machen und sich in deinen Morgen integrieren lassen. Vielleicht fängst du erstmal mit 1-2 Ideen an und schaust schrittweise, was du noch hinzunehmen möchtest.

Es ist besser, dauerhaft eine reduzierte Form der Morgenroutine zu praktizieren, als dich selbst unter Druck setzen, möglichst alle Punkte abzuhaken. Dein Morgen sollte sich leicht anfühlen und Lust auf den Tag machen – und nicht zu einer weiteren To-Do-Liste werden.

Finde deinen persönlichen Tagesrhythmus

Niemand erwartet von dir, dass du von heute auf morgen um 4:30 Uhr aus dem Bett fällst und eine strikte ayurvedische Routine verfolgst. Der Ayurveda lässt in all seinen Lehren stets Raum für Individualität und Flexibilität.

Vielleicht hilft dir aber schon ein Verständnis der drei Grundkonstitutionen, die in dir und um dich herum wirken. Mit ihnen kannst du deinen Tag so gestalten, dass du mehr in Balance lebst und dir Dinge leichter von der Hand gehen. Das Fundament dafür legst du bereits in den Morgenstunden.

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