Ayurveda bei Hitze: Was ich im Hochsommer nicht mehr mache
Was zu anderen Jahreszeiten gut tut, kann im Hochsommer schnell zu viel sein. Denn jetzt ist das Pitta-Dosha sehr aktiv – das feurige, antreibende, transformierende Prinzip. Anstatt dieses durch bestimmte Routinen oder Lebensmittel weiter anzutreiben, darf der Fokus bei Hitze mehr auf Pitta-Ausgleich liegen.
Im Ayurveda geht es im Kern darum, immer wieder in einen Zustand von Balance zu kommen. Das bedeutet auch, mit dem Lauf der Jahreszeiten mitzugehen – denn wir sind nicht losgelöst von den Veränderungen im Außen.
Die kraftvolle Sonne und die hohen Temperaturen im Hochsommer sind Ausdruck von Pitta. Dies ist jetzt nicht nur in der Natur sehr präsent, sondern steigt im Laufe des Sommers auch in uns Menschen an.
Wer ohnehin viel Pitta in der eigenen Konstitution hat, spürt das schneller – zum Beispiel durch vermehrte Reizbarkeit, innere Hitze, Sodbrennen, Entzündungen oder Hautprobleme. Aber auch alle anderen dürfen im Sommer darauf achten, Pitta nicht noch zusätzlich zu sehr anzufeuern.
Gleichzeitig schwächt sich Agni, das Verdauungsfeuer, im Sommer immer mehr ab. Die Kunst liegt daher jetzt darin, Pitta in Schach zu halten und gleichzeitig auf sanfte Weise Agni zu stärken.
Das kann dann dazu führen, dass Dinge, die von Herbst bis Frühling sehr gut sind, im (Hoch-)Sommer nicht mehr passend sind. Manchmal geht es gar nicht darum, tausend zusätzliche Dinge zu tun, um in Balance zu bleiben, sondern einfach manches nicht mehr zu tun – zumindest für den Moment.
Hier sind fünf Dinge, auf die ich gerade an heißen Tagen mittlerweile verzichte.
Täglich Ingwertee trinken
Ingwer ist super für den Vata- und Kapha-Ausgleich und kräftigt die Verdauungskraft Agni. Gerade frischer Ingwer erhöht aber das Pitta-Dosha. Auch wenn die meisten meiner Tage im Jahr mit dem Brühen von Ingwerwasser beginnen: Im Sommer reduziere ich meinen Ingwerkonsum deutlich und lasse mein tägliches Ingwerwasser weg.
Eisgekühlte Getränke trinken
Das ist ehrlich gesagt etwas, was ich grundsätzlich (fast) nie mache. Auch wenn sie im Sommer überall angepriesen werden und erst einmal nach einer guten Abkühlung aussehen: Eisgekühlte Getränke sind der absolute Agni-Killer. Der Ayurveda bezeichnet Agni als Verdauungsfeuer, und Feuer schwächt sich ab oder geht ganz aus, wenn wir Eiswürfel reinkippen.
Außerdem verliert der Körper an Energie, wenn er Eiskaltes auf Körpertemperatur aufwärmen muss. Da Hitze den Körper ohnehin schon schwächt, erspare ich ihm diese zusätzliche Kraftanstrengung lieber.
Den ganzen Tag über warmes Wasser trinken
Der Ayurveda-Tipp Nummer 1 ist und bleibt das warme Wasser am Morgen, und daran ändert sich für mich auch im Sommer nichts (auch wenn es im Sommer nicht so heiß sein muss, wie zu anderen Jahreszeiten). Von Herbst bis Frühling trinke ich weitestgehend auch den Rest des Tages überwiegend warmes Wasser – und das ist es, was ich im Sommer anders mache.
Durch das erhöhte Pitta-Dosha ist die Körpertemperatur oftmals schon höher als sonst. Warmes Wasser ist eher für den Vata- und Kapha-Ausgleich ratsam. Um Pitta nicht zusätzlich zu stören, empfehle ich in der heißen Jahreszeit eher zimmerwarmes Wasser – nicht eiskalt, aber eben auch nicht erwärmt.
Täglich mit Sesamöl kochen
Sesamöl wirkt erwärmend und ist damit nicht unbedingt die beste Wahl für den Sommer, zumindest nicht, was die Küche an heißen Tagen angeht. Kühlend wirkende Öle oder Fette wie Ghee, Olivenöl und Rapsöl sind gerade die besseren Alternativen.
Viel Zimt, Muskat, Bockshornkleesamen und Pfeffer nutzen
Ich liebe all diese Gewürze, aber sie erhöhen eben auch das Pitta-Dosha. Zu anderen Jahreszeiten mag das keine große Auswirkung haben, im Sommer spüre ich sie deutlicher. Deshalb ist es empfehlenswerter, bei viel Hitze verstärkt auf pitta-senkende Gewürze zu setzen.
Das sind zum Beispiel Koriander, Kurkuma, Fenchel, Kardamom, Kreuzkümmel sowie frische, bittere Kräuter. Zum Salzen ist Steinsalz weniger pitta-erhöhend als Meersalz und daher im Sommer zu bevorzugen.
Individualität im Ayurveda: Es kommt immer drauf an
Bei allen genannten Tipps kommt es immer auch auf deine individuelle Konstitution an. Wenn du zum Beispiel wenig Pitta in dir trägst und womöglich noch dazu ein geschwächtes Agni hast, ist es gut möglich, dass du auch im Hochsommer noch von Ingwerwasser profitierst. Deshalb ist es im Ayurveda so wichtig, den eigenen Dosha-Typ zu kennen.
Möchtest du deinen herausfinden und auf dich abgestimmte Empfehlungen bekommen, kontaktiere mich für eine ayurvedische Konstitutionsbestimmung und Beratung.