Verschiedene Gewürze auf einem Holzbrett angeordnet, darunter sind auch Gewürze, die laut dem Ayurveda Agni, das Verdauungsfeuer, stärken

7 ayurvedische Gewürze für eine starke Verdauung

Gewürze sind die wahren Helden der ayurvedischen Küche: Sie geben dem Essen nicht nur Geschmack, sondern haben auch unterschiedliche Wirkungen auf Körper und Geist. Die hier vorgestellten Gewürze stärken Agni, das Verdauungsfeuer, machen Speisen so besser bekömmlich und unterstützen die Nährstoffaufnahme.

Warum verwendet Ayurveda Gewürze für die Verdauung?

Eine gesunde Verdauung ist im Ayurveda die Basis für Gesundheit: Agni, das Verdauungsfeuer, muss gut brennen, damit Nahrung aufgespalten, Nährstoffe aufgenommen und Abfallstoffe ausgeschieden werden können.

Um Agni zu unterstützen, setzt die ayurvedische Küche vor allem auf vielfältige Gewürze. Kräuter, Samen und Rinden verleihen dem Essen schließlich nicht nur Aroma, sondern haben – wie alles im Ayurveda – auch eine bestimmte Wirkung.

Einigen Gewürzen spricht der Ayurveda eine besonders verdauungsfördernde Wirkung zu. Dies wird als „deepana“ bezeichnet, was so viel bedeutet wie agni-anregend.

Gewürze, die gleichzeitig dabei helfen, unverdauliche Giftstoffe (sogenanntes Ama) zu verbrennen, haben außerdem eine „pacana“-Wirkung und sind ebenso wichtig für die Verdauung. Denn zu viel Ama im Körper ist nicht nur Folge eines schwachen Verdauungsfeuers, sondern belastet Agni zusätzlich.

Was genau Agni ist und welche Agni-Zustände es gibt >

Ein Feuer in der Dunkelheit als Symbolbild für Agni, das Verdauungsfeuer im Ayurveda
Der Ayurveda stellt sich die Verdauungskraft als Feuer (= Agni) vor, das im Bauchraum brennt

Diese 7 Gewürze und Kräuter stärken dein Agni

Diese Gewürze setzt der Ayurveda besonders gerne ein, um die Verdauung zu stärken:

  • Bockshornklee
  • Fenchel
  • Gewürznelken
  • Ingwer
  • Kardamom
  • Koriander
  • Kreuzkümmel


In der Regel kannst du diese Gewürze ganz oder gemahlen bzw. gemörsert beim Kochen verwenden. Wenn es für ein bestimmtes Gewürz spezielle Möglichkeiten zur Anwendung gibt, stelle ich sie jeweils mit vor.

Bockshornklee

Bockshornklee reduziert insbesondere das Vata-Dosha, während er Pitta erhöht. Die Bockshornkleesamen regen Agni, das Verdauungsfeuer an, und helfen, Ama zu reduzieren. Sie können Blähungen lindern und Bauchkrämpfen vorbeugen oder sie lösen. Außerdem wirkt Bockshornklee laut dem Ayurveda regulierend auf den Blutzucker.

Am besten röstest du die Samen zu Beginn des Kochvorgangs für wenige Sekunden im heißen Öl/Fett an, damit sie ihr Aroma und ihre Wirkung entfalten können. (Achtung: Wenn du sie zu lange anröstest, können sie bitter schmecken.)

Fenchelsamen

Fenchelsamen geben einen aromatischen und ausbalancierten, süßen und bitteren Geschmack ans Essen. Sie wirken kühlend und senken dadurch neben dem Vata-Dosha auch das Pitta-Dosha. Auf Agni wirkt Fenchel anregend, gleichzeitig soll er Ama verbrennen und Krämpfe lösen.

Auch Fenchelsamen röstest du optimalerweise kurz in heißem Öl an. Du kannst die Samen auch vorher etwas klein mörsern.

Gewürznelken

Nelken wirken trotz ihrer kühlenden Wirkung agni-anregend und ama-verbrennend. Mit ihrem bitteren und scharfen Geschmack senken sie sowohl Pitta als auch Kapha. Auf Vata wirken sie regulierend, indem sie das Vata-Dosha wieder in die richtige Richtung lenken, wenn es aus der Bahn gekommen ist – wie es zum Beispiel bei Blähungen der Fall ist. Zudem regen Gewürznelken brechreizlindernd, regen den Appetit an, lindern Brechreiz und erhöhen den Speichelfluss. Da sich im Speichel bereits wichtige Verdauungsenzyme befinden, stärken Nelken die Verdauung somit bereits im Mundraum.

Viele Knollen frischer Ingwer auf einem Haufen - Ingwer wirkt laut dem Ayurveda stark verdauungsfördernd und stärkt Agni
Ingwer gilt im Ayurveda als stark verdauungsfördernd

Ingwer

Ingwer ist einer der ayurvedischen Evergreens, wenn es um die Verdauung geht. Er wird gerne bei schwachem Agni eingesetzt, da er das Verdauungsfeuer anfacht und gleichzeitig hilft, Ama zu verbrennen. Aufgrund seiner erhitzenden Wirkung sollten Pitta-Typen nicht zu viel Ingwer zu sich nehmen. Kapha und Vata werden hingegen durch Ingwer gesenkt. Der Ayurveda schätzt Ingwer insbesondere bei Übelkeit und Blähungen.

Du kannst Ingwer sowohl als Gewürz im Essen verwenden (frisch oder getrocknet) oder dir Ingwertee bzw. Ingwerwasser zubereiten. Direkt vor dem Essen könntest du auch eine Scheibe Ingwer mit etwas Steinsalz und Zitronensaft beträufeln und dann gut kauen, um Agni anzukurbeln.

Kardamom

Kardamom ist insbesondere für Pitta ein wertvolles Gewürz, weil es kühlend wirkt und dadurch Pitta reduziert und gleichzeitig auch die Verdauungskraft stärkt. Auch auf Vata und Kapha wirkt Kardamom reduzierend. Die Kardamomsamen haben sowohl süße, scharfe und bittere Geschmacksnoten. Sie regen laut dem Ayurveda den Appetit an und können bei Übelkeit und Brechreiz helfen.

Kardamom gibt es sowohl in gemahlener Form als auch als Kapseln zu kaufen. Du kannst die grünen Kapseln etwas aufdrücken und als ganzes Gewürz ins heiße Öl geben oder die dunklen Samen herausnehmen und vor dem Kochen frisch mörsern. Bei akuter Übelkeit kannst du auch ein paar Samen in den Mund nehmen und darauf herumkauen.

Koriandersamen

Koriandersamen senken alle Doshas und sind aus der ayurvedischen Küche nicht wegzudenken. Koriander regt trotz kühlender Wirkung Agni an und reduziert Ama. Es löst dem Ayurveda zufolge Krämpfe, lindert Blähungen und regt den Appetit an.

Ganze Koriandersamen gibst du am besten erst in den Mörser und zerstößt sie ein wenig. Oder du nutzt direkt gemahlene Koriandersamen, wobei mit der Zeit immer etwas Aroma und Wirkung verliert. Koriander gibt dem Essen eine frische Aromanote. Du kannst die Samen auch mit heißem Wasser übergießen und als Tee trinken, um deine Verdauung zu stärken.

Kreuzkümmel

Kreuzkümmel (auch Cumin genannt) ist ebenfalls ein beliebtes Ayurveda-Gewürz, um die Verdauungskraft zu stärken und Ama zu verbrennen. Die Samen schmecken scharf und bitter und wirken leicht erhitzend, wodurch Vata und Kapha ausgeglichen werden. Auf Pitta wirkt Kreuzkümmel neutral. Laut dem Ayurveda regen Kreuzkümmelsamen den Appetit an und helfen gegen Blähungen und Bauchschmerzen.

Du kannst vor allem Kartoffel- und Kohlgerichte mit gemahlenem Kreuzkümmel oder ganzen Samen verfeinern. Am besten gibst du die Samen wieder zu Beginn für wenige Sekunden ins heiße Öl.

Ein Haufen ganzer Kreuzkümmelsamen, welche im Ayurveda ein beliebtes Gewürz für Agni, das Verdauungsfeuer, sind
Kreuzkümmel schmeckt nicht nur sehr aromatisch, sondern stärkt auch Agni

Welches Gewürz passt zu welcher Verdauung?

Da der Ayurveda immer individuell auf jede Person schaut, ist nicht jedes Gewürz für alle gleichermaßen sinnvoll.

Das Pitta-Dosha hat zum Beispiel heiße Eigenschaften und profitiert daher von kühlend wirkenden Gewürzen, während Vata und Kapha kalte Doshas sind und erhitzend wirkende Gewürze gut vertragen.

Wer zudem bereits ein eher starkes Agni hat, benötigt weniger zusätzlich anfachende Gewürze als diejenigen mit schwachem oder wechselhaftem Agni. Und auch bei unterschiedlichen Verdauungsbeschwerden unterstützen manche Gewürze besser als andere.


Diese Gewürze passen zu den jeweiligen ayurvedischen Dosha-Typen:

  • Vata > Kreuzkümmel, Koriander, Kardamom, Ingwer, Fenchel, Bockshornklee
  • Pitta > Koriander, Kardamom, Gewürznelke, Fenchel
  • Kapha > Bockshornklee, Ingwer, Kreuzkümmel, Koriander, Kardamom, Gewürznelke

 

Bei diesen Verdauungsbeschwerden können diese Gewürze helfen:

  • Blähungen > Kreuzkümmel, Koriander, Ingwer, Bockshornklee
  • Krämpfe > Koriander, Gewürznelken, Fenchel, Bockshornklee
  • Übelkeit > Kardamom, Ingwer, Gewürznelken
  • Appetitlosigkeit > Kreuzkümmel, Koriander, Kardamom, Gewürznelken
  • Ama > Koriander, Ingwer, Gewürznelken, Fenchel, Bockshornklee

Ayurvedische Gewürze zur Verdauung im Alltag richtig einsetzen

Gewürze können eine sinnvolle Ergänzung im Alltag sein und dürfen beim Kochen gut und gerne zum Einsatz kommen, um Speisen bekömmlicher zu machen und die Verdauung gezielt zu stärken.

Aber viel hilft nicht immer viel – kleine Mengen an Gewürzen und Kräutern sind in der Regel schon ausreichend. Schließlich möchtest du dein Agni auch nicht überreizen, denn es kann auch zu stark brennen und dadurch zu Beschwerden führen.

Wenn du regelmäßig unter Verdauungsbeschwerden leidest, lohnt sich eine individuelle Betrachtung. Im Rahmen einer 1:1-Begleitung schauen wir uns deine Konstitution und deinen Agni-Zustand im Detail an und erarbeiten eine Strategie, die zu dir und deinem Alltag passt.

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